Muhammad Ali: Ernährung & Training der Boxlegende


So wurde er "The Greatest"

Er war schon während seiner Karriere eine absolute Kultfigur – heute gilt er als Legende des Boxsports: Muhammad Ali. Mit welchem markanten Boxstil er sämtliche Gegner K.o. schlug, was ein Fahrrad mit seiner Liebe zum Boxen zu tun hat und welches Erfolgsgeheimnis hinter seinem effektiven Training steckt, erfahrt ihr hier!

Muhammad Ali: Wer war der legendäre Boxer?

Hier ein paar Key-Facts zu Muhammad Ali, die ihr unbedingt kennen solltet:

  • Muhammad Ali wird am 17. Januar 1942 in Louisville, Kentucky, geboren. Sein Geburtsname: Cassius Marcellus Clay, benannt nach einem Anti-Sklaverei-Politiker (Alis Urgroßvater war noch ein farbiger Sklave unter den Weißen). Der Junge wächst in ärmlichen Verhältnissen bei seinen Eltern auf.
  • Sein Boxtraining beginnt Ali mit 12 Jahren. Vier Jahre später geht er mit schlechten Noten von der Schule ab, um sich auf seine Boxkarriere zu konzentrieren.
  • In wenigen Jahren gewinnt Muhammad Ali sämtliche Amateurtitel, von insgesamt 108 Amateurkämpfen verliert er gerade einmal 8. Der Gipfel seiner zunächst hobbymäßigen Boxkarriere: Olympisches Gold im Halbschwergewicht 1960 im Alter von nur 18 Jahren in Rom. Noch im selben Jahr beginnt er seine Profi-Karriere als Boxer.
  • Muhammad Ali wird in nächsten 7 Jahren zur lebenden Legende: Er ist bis heute der einzige, der dreimal den Titel „Unumstrittener Boxweltmeister“ gewinnen konnte und wird – daneben fast lächerlich – mehrfach Weltmeister im Boxen (1964, 1966, 1974 und 1978). Muhammad Ali zählt definitiv zu den bedeutendsten Schwergewichtboxern und herausragenden Sportlern des 20. Jahrhunderts.
  • Zu seinen krassesten Kämpfen zählen insbesondere der „Rumble in the Jungle“ am 30. Oktober 1974 im Kongo gegen George Foreman vor 100.000 Zuschauern (Foreman gilt als klarer Favorit und quasi unschlagbar, doch Muhammad Ali schafft es überraschenderweise, in der 8. Runde durch K.o. erneut den Titel „Unumstrittener Boxweltmeister“ zu holen), der „Fight of the Century“ gegen Joe Frazier am 8. März 1971 in New York (einer der brutalsten Fights in der Geschichte des Boxens, bei dem Frazier siegt und der den Beginn einer langjährigen Rivalität kennzeichnet) sowie der „Thrilla in Manila“ am 01. Oktober 1975 auf den Philippinen (der dritte und letzte Kampf gegen Joe Frazier, bei dem Muhammad Ali trotz extremer Intensität, einer nicht-klimatisierten Halle, unerträglicher Luftfeuchtigkeit und krassem Flüssigkeitsverlust siegt).

    Insbesondere der „Rumble in the Jungle“ gilt für viele bis heute als größter Boxkampf aller Zeiten.

  • Muhammad Alis Erfolgsquote in Zahlen: Von insgesamt 61 Profikämpfen verliert er gerade einmal 5 – zwischen 1960 und 1963 gewinnt er sogar alle 20 bestrittenen Fights!
  • Seit den 70ern zieht Muhammad Ali als Held in die Kinderzimmer der Welt ein: Mattel bringt eine Puppe von ihm auf den Markt, mit dem die Kids seine Fights nachstellen, außerdem erscheint eine Specialedition des Superman-Comics: „Superman vs. Muhammad Ali“. Zudem wird der Boxer das Werbegesicht des Trinkpäckchen-Herstellers Capri-Sonne.
  • Neben seinen kämpferischen Erfolgen sammeln sich auch weitere Nominierungen und Ehrungen: 1996 darf er das Olympische Feuer entzünden, 2003 gewinnt er den Bambi, 2005 verleiht ihm George W. Bush die Freiheitsmedaille (höchste zivile Auszeichnung der USA), 2005 erhält er die Otto-Hahn-Friedensmedaille in Gold und 2007 die Ehrendoktorwürde der University Princeton.
  • Seinen offiziellen Rücktritt verkündet Muhammad Ali am 15. September 1978 im Alter von 36 Jahren nach dem knapp gewonnen WM-Sieg. Seine Aussprache ist bereits durch seine Erkrankung Parkinson – damals noch nicht diagnostiziert – undeutlich. Trotz Warnung seiner Ärzte gibt er im Oktober 1980 ein Comeback gegen Larry Holmes, das er nach Kampfabbruch verliert, sowie eines 1981 auf den Bahamas gegen Trevor Berbick. Diesen 61. und letzten Profikampf verliert Muhammad Ali deutlich.
  • 2001 wird Muhammad Alis Lebensgeschichte unter dem Titel „Ali“ verfilmt. In der Hauptrolle: Will Smith, der hierfür für den Oscar nominiert wird. Der Soundtrack „World’s Greatest“ von R. Kelly wird zum weltweiten Hit.
  • 2001 wird Muhammad Ali Teil der Werbekampagne „Impossible is nothing“ von Adidas.
  • Muhammad Alis Boxstil geht in die Geschichte ein: Anstatt die Hände zur Deckung hochzunehmen, lässt er sie oft neben der Hüfte hängen und provoziert seine Gegner durch seine extrem schnelle Beinarbeit sowie seine bewegliche Hüfte. Dennoch bekommt er kaum Treffer am Kopf ab, da er nahezu jedem Schlag ausweichen kann. Seine tänzerische Beinkombination bekommt einen eigenen Namen: „Ali Shuffle“. In seiner späteren Karriere wird Muhammad Ali bekannt dafür, sich gelegentlich mit Absicht in die gut durchtrainierte Seite schlagen zu lassen, ohne dass dies einen Effekt bei ihm hat – eine wertvolle Waffe zur Demoralisierung seiner Gegner. Seinen unkonventionellen Boxstil beschreibt Ali selbst so:

    Float like a butterfly, sting like a bee!

    („Fliege wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene!“)

  • 1984 erhält Muhammad Ali die offizielle Diagnose Parkinson. Häufig wird diese mit dem Boxen in Zusammenhang gebracht, dies kann aber nie nachgewiesen werden.
  • 2016 stirbt Muhammad Ali mit 74 Jahren infolge seines geschwächten Immunsystems im Krankenhaus an einem septischen Schock. Zu seinen Sargträgern zählen unter anderem Will Smith und die ehemaligen Schwergewichtsweltmeister Mike Tyson und Lennox Lewis.
    Zu seinem Todeszeitpunkt liegt Alis geschätztes Vermögen bei 50 Millionen Dollar (ca. 44 Millionen Euro).

„The Greatest“: Dieses Training machte Muhammad Ali zum Champion

Wie bereits erwähnt beginnt Muhammad Ali 1954 das Boxen mit 12 Jahren. Grund: Sein nagelneues Fahrrad, ein Geschenk seiner Eltern, wird geklaut. Als er dem zuständigen Polizisten Joe Martin wütend mitteilt, er würde den Dieb umboxen, fragt dieser ihn, ob er überhaupt wisse, wie man boxe – seitdem trainiert Muhammad Ali in Martins Boxkeller. Schon nach 6 Wochen hat er seinen ersten Kampf, den er gleich gewinnt.
Später nennt er als weiteren Grund für die Entscheidung, zu boxen, die Ermordung des farbigen Jugendlichen Emdet Till durch weiße Rassisten, die freigesprochen werden.
Fun-Fact: Seine Ausdauer trainiert der Junge zu diesem Zeitpunkt, indem er gegen den Schulbus um die Wette läuft.

Im Gegensatz zum heutigen klassischen Workout für Boxer trainiert Muhammad Ali so gut wie gar nicht mit Gewichten, da er Angst hat zu viel Muskelmasse mache ihn langsam.
Ein typischer Trainingstag bei Muhammad Ali beginnt morgens um 5.30 Uhr mit Dehnübungen und einem anschließenden 9-Kilometer-Lauf auf nüchternen Magen in unter 40 Minuten. Nach dem Frühstück geht Ali für drei Stunden ins Fitnessstudio, er trainiert im „5th Street Gym“ in Miami, das von seinem Boxtrainer Angelo Dundee und dessen Bruder geführt wird.

Hier startet er mit einem 15-minütigem Warm-Up, gefolgt von Schattenboxen, Training am Sandsack für Schlag-Kombinationen und seine Ausdauer sowie einem extrem intensivem Sparring.
Als „Pause“ zieht er dann ein 15-Minuten-Bauchtraining durch: Fahrrad Brunches, Sit-Ups mit Medizinball und Beinheben im Wechsel.
Mit neuer Kraft geht’s dann zum Speedball, an dem Muhammad Ali noch mal alles raushaut, dann macht er eine Art Intervall-Training von 20 Minuten (Wechsel aus Knieheben und Laufen ohne Pausen) und beendet seine Session mit einer Einheit Schattenboxen und Seilspringen.
Ziemlich extrem, zumal er diese Routine an 6 von 7 Tagen durchzieht und sich gerade mal einen Ruhetag in der Woche gönnt.

Nachmittags belohnt er sich nach diesem heftigen Training dafür aber oft mit einer Massage, um am nächsten Tag regeneriert zu sein.

Übrigens: Teilweise haben Muhammad Ali und sein Trainer Angelo Dundee auch unkonventionelle, aber sehr wirkungsvolle Trainingsmethoden eingebaut, zum Beispiel das Training im Schwimmbecken, bei dem Ali gegen den Widerstand des Wassers boxen musste.

Die Ernährung hinter Alis Erfolg

Zugegeben: Zu Muhammad Alis Zeiten spielt die Ernährung unter Profisportlern eine viel untergeordnetere Rolle als heute. Damals vor allem wichtig: Fleisch – und zwar viel davon. Bei Muhammad Ali landet vor allem Hähnchen oder Steak auf dem Teller.
Im Gegensatz zu vielen seiner Boxerkollegen achtet Muhammad Ali bewusst darauf, was in seinem Magen landet. Wichtig ist ihm vor allem möglichst natürliche Lebensmittel zu verwenden, ein Trend, den viele von euch heute unter Clean Eating kennen.
Besonders beliebt bei ihm: Kartoffeln, grüne Bohnen, Gemüse und Obst, Saft und (viel!) Wasser. Und absolutes Pflichtprogramm: Frühstücken! Nach seinem morgendlichen Lauf landet eine ordentliche Portion auf seinem Teller, außerdem schwört Muhammad Ali auf ein großes Glas Orangensaft, um in den Tag zu starten.
Ebenfalls wichtig: Ein ausgewogenes Abendessen, bei dem er sich aber nie zu voll isst, sondern bis er angenehm satt ist, um danach noch einen gemütlichen Abendspaziergang zu machen.

Übrigens: Mit seinem Training und seiner Ernährung hält Muhammad Ali sein Gewicht – mit wenigen Ausnahmen – bei 102-107 Kilo bei einer Größe von 191 cm. Fun-Fact: Seine Spannbreite beträgt 198 cm!

Unvergessen: Der Lifestyle von Muhammad Ali

Kommen wir zum Lifestyle von Muhammad Ali – und der entspricht so gar nicht dem, den ihr vielleicht erwartet! Denn Muhammad Ali hat definitiv nicht wegen Liebesaffären, crazy Styles oder typischen Starallüren von sich Reden gemacht. Okay, auch er hat eine Schwäche für Frauen, denn er ist viermal verheiratet und hat insgesamt neun Kinder, zwei davon aus außerehelichen Geschichten. Seine Tochter Laila ist ebenfalls Profi-Boxerin, by the way…
Aber eigentlich ist Muhammad Ali für seine Werte und Einstellungen bekannt, denn er gilt als öffentlicher Gegner des Vietnamkriegs und verweigert sogar seinen Wehrdienst. Infolgedessen wird ihm 1967 sein WM-Sieg aberkannt, eine Geldbuße von 10.000 US-Dollar sowie eine fünfjährige Gefängnisstrafe gegen ihn verhängt (gegen Kaution bleibt er auf freiem Fuß). Bis 1970 bleibt seine Boxsperre bestehen, sein Reisepass wird eingezogen und finanziell kann sich Muhammad Ali nur dank zahlreicher TV-Auftritte zu gesellschaftlichen Themen, zum Beispiel in Unis, über Wasser halten.

Seine Boxkarriere leidet unter der Sperre stark: Als er nach dreieinhalb Jahren zurück in den Ring tritt, ist er ein anderer, seine Leichtigkeit und schnelle Beinarbeit sind verflogen, er erlebt 1971 seine erste Niederlage als Profi-Boxer. Dennoch bleibt er bei seinen Einstellungen.
Neben dem öffentlichen Ablehnen des Vietnamkriegs steht Muhammad Ali auch als Unterstützer der Emanzipationsbewegung der Afroamerikaner und wird für viele zur Symbolfigur.
Ebenfalls ungewöhnlich: 1964 bekennt sich Muhammad Ali zur Nation of Islam, einer religiös-politischen Organisation schwarzer Afroamerikaner außerhalb des Islams. Zu diesem Zeitpunkt legt er auch seinen „Sklavennamen“, wie er ihn nennt, ab und nennt sich fortan Muhammad Ali. 1975 folgt seine öffentliche Bekenntnis zum Islam.
Auch nach seiner Box-Karriere und seiner Parkinson-Diagnose 1984 setzt sich der Ex-Boxer stark für wohltätige Zwecke ein.

Auch wenn es zunächst nicht zu dem ernsten, politischen und religiösen Lifestyle Alis passt: Er hat auch eine spöttische, beißende Seite. Als er nämlich feststellt, dass ein Nachwuchsboxer wie er es einfach nicht schafft, das mediale Interesse auf sich zu ziehen, beginnt er vor jedem Fight Spottreime über seine Gegner zu machen, zum Beispiel „Archie Moor will be on the floor in round four“ oder „It’s gonna be a thrilla and a chilla when I get the gorilla in Manila“.

Bald ist Muhammad Ali auch außerhalb der Boxszene für seine Reime berühmt, kurzzeitig liegt sogar der Verdacht auf Betrug gegen ihn vor, da viele seiner Reime tatsächlich mit ihren Runden richtig liegen. Aber Fehlanzeige – Muhammad Ali hatte es einfach drauf!

Kein Wunder, dass er bis heute eine Legende ist und jeder seinen Namen kennt. Wie sieht’s bei euch aus, kanntet ihr nur den Namen Muhammad Ali oder wusstet ihr auch etwas über sein Leben? Ich bin gespannt!

Euer Prinz

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