Was geht ab bei Strava?!


DAS müsst ihr über das Sportler-Portal wissen!

Strava – mittlerweile kommt kaum jemand aus dem Sportbereich an dem „Sportler Social Media Portal“ vorbei. Und seit ein paar Monaten macht das Portal aus San Francisco besonders auf sich aufmerksam – eher unfreiwillig! Was ihr jetzt über Strava wissen solltet, erfahrt ihr hier!

Was ist Strava überhaupt?

Strava kommt aus San Francisco und startete 2009 als kleines soziales Netzwerk-Start-Up.

Strava ist mittlerweile ein riesengroßes Portal, auf dem Sportler aus aller Welt aus den unterschiedlichsten Sportbereichen, ob Laufen, Rennradfahren, Schwimmen, etc., ihre absolvierten Strecken veröffentlichen können. Mit Hilfe einer App auf dem Smartphone oder einem Strava-fähigen Sporttracker werden dann per GPS alle notwendigen Daten gesammelt, um die Strecke visuell darzustellen. Es entsteht mit diesen Geodaten ein genaues Profil über die Strecken – Distanz, Dauer, Steigungen und sogar Temperatur – und sogar über die eigenen Leistungen – Geschwindigkeit, Krafteinsatz und Energieumsatz. Die Standardversion ist kostenlos, wer weitere Funktionen freischalten und auf die Premiumversion umsteigen möchte, der muss 7,99 Euro pro Monat oder 59,99 Euro pro Jahr bezahlen. Es gibt aber auch noch Privatanbieter und andere Unternehmen, die Erweiterungen für Strava anbieten, meist sind die aber mit Kosten verbunden.

Strava

Foto: strava.com

Ihr könnt Strava übrigens in Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch (Spanien & Lateinamerika), Portugiesisch (Portugal & Brasilien), Italienisch, Niederländisch, Japanisch, Koreanisch, Chinesisch und Russisch bekommen.

Wie funktioniert Strava?

Strava ist also eine Art Social Media Kanal. Der Sportler nutzt unter Angabe von persönlichen Daten eine App oder einen anderen GPS-Empfänger. Beides speichert genauestens die sportlichen Daten, sogar von Haustür zu Haustür, und nach Wunsch kann dann alles ausgewertet und mit anderen Sportlern verglichen werden. Es gibt sogar Bestenlisten, in die jede hochgeladene Datei eingepflegt wird. Das eigene Profil kann öffentlich oder privat sein, ihr könnt eure Leistungen mit anderen teilen, Gruppen beitreten und Kudos, also Likes verteilen und bekommen.

Bekannte Strava-Nutzer sind zum Beispiel die Rennradfahrer André Greipel, Mark Cavendish, Fabian Cancellara, Marcus Burghardt, Romain Bardet und Chantal Blaak. Profi-Cross-Country Mountain Bikerin Emily Batty nutzt die App ebenfalls. Auch Profi-Läufer wie Jonathan Albon, Nick Arciniaga und der Olympiasportler Andrew Lemoncello sind Strava-Nutzer. Die Triathletin Lauren Barnett teilt ihre Strecken auch regelmäßig mit anderen auf dem Portal. Die Profis tracken teilsweise sogar ihre Wettkämpfe und Rennen, wie zum Beispiel Romain Bardet bei der Tour de France.

Die Geodaten werden bei Strava gespeichert und wurden erstmals 2017 vollständig ausgewertet. Milliarden von Aktivitäten und Geopunkten wurden verknüpft und es wurde eine sogenannte Heatmap für die ganze Welt erstellt – für jeden auf der Internetseite von Strava zugänglich. Das könnt ihr euch so vorstellen, dass überall da wo viel gelaufen, geradelt und Co. wird, „heiße“ Aktivitätspunkte sind – auf der Map auch wirklich als grellgelbe und orangene Stellen erkennbar. Deutschland leuchtet übrigens wie ein Weihnachtsbaum. Es scheint gefühlt keinen Weg mehr zu geben, der nicht schon von Strava-Nutzern getrackt wurde. Andere Punkte auf der Welt, abgelegene Regionen, Wüsten und Co., sind dagegen schwarz und zeigen keine „Heat“.

Und wo ist jetzt das Problem?

Ein großes Problem, was in erster Linie die Politik, Geheimdienste und Militäre betrifft: Diese Datensammlung der Heatmaps hat dazu geführt, dass Heats zum Beispiel in abgelegenen Gebieten in Syrien und dem Irak aufgetaucht sind. So wurden aus Versehen die Grundrisse von Militärbasen und Camps von Hilforganisationen veröffentlicht, da die Soldaten und Mitarbeiter während ihrer Joggingrunden in der Basis und den Camps Strava anhatten. Außerdem sind in der Nähe dieser Militärstützpunkte kleinere Strecken aufgetaucht, die scheinbar Marsch- und Patrouillerouten der Soldaten sind. Dieser Vorfall ist ein großes Sicherheitsrisiko für die stationierten Einsatzkräfte, sind solche genauen Angaben über Routen eigentlich streng geheim. Außerdem wurden die Grundrisse eines britischen Atomkraftwerkes sichtbar und man kann die berüchtigte Area 51 erkennen. So anonymisiert die Geodaten laut Strava sind, wo ansich wenig los ist, werden sie trotz allem sehr deutlich sichtbar. Da braucht es nicht den Namen des Soldaten und Co., da reicht es, dass die Gebiete ansich gezeigt werden. Denn oft sind die genauen Standorte wie gesagt nicht öffentlich bekannt.

Ein weiteres großes Problem, was die Nutzer direkt betrifft und worüber sich einige in Foren und Gruppen die Köpfe zerbrechen, sind momentan zahlreiche Fake Accounts. Meist sind die Profilbilder freizügige Frauenbilder mit einer einzigen hochgeladenen Strecke. Viele Nutzer wissen nichts mit diesen Accounts anzufangen und machen sich Sorgen, was sie zu bedeuten haben oder welcher Funktion sie nachgehen. Sie alle haben wohl einen Zweck: „Heimlich“ Daten sammeln! Ganz klar und bewiesen ist das noch nicht, aber zum einen sind diese Fake Accounts wohl Bots, die Daten für Werbezwecke sammeln. Aber noch viel viel schlimmer ist, dass diese Datensammlung Diebesbanden für sich nutzen können und wohl auch schon nutzen. Sie warten quasi nur darauf, dass irgendwer bekannt gibt, wann er wieder welche Strecke läuft oder dass sich bestimmte Wochenpläne herausstellen. Perfektes Timing dann, um die Bude auszuräumen. Auch bei Marathons, Rennen und anderen Wettkämpfen, die bekannt geworden sind, kam es komischerweise häufig zu Diebstählen von Rennrädern, Triathlonrädern und Co. vor Ort des Wettkampfs und zu Einbrüchen bei Strava-Nutzern zu Hause, die nachweislich an den Wettkämpfen teilgenommen haben. Zusammenhänge mit Strava sind nicht eindeutig bewiesen, aber es wären auffällig viele komische Zufälle…

Zwar kann jeder Sportler bei Strava sein Profil privat einstellen, die Kommunikation und der Social Media Nutzen ist allerdings weg. Es kann auch eine Radiuseinstellung von einem Kilometer gemacht werden, sodass die genauen Eingänge und Adressen nicht wirklich veröffentlicht werden. Aber mit ein bisschen Kreise ziehen, rechnen und Verstand ist es den Einbruchwilligen ein Leichtes, die richtige Adresse ausfindig zu machen. Und im Fall von Militärstützpunkten, Camps von Hilfsorganisationen, Area 51 und Co. ist es sowieso mehr als deutlich, denn sonst befindet sich dort kilometerweit nichts anderes.

Was sagt Strava selbst dazu?

Strava weist in einer öffentlichen Stellungnahme gegenüber dem amerikanischen Technikportal und Mediennetzwerk The Verge daraufhin, dass das Unternehmen „den Menschen helfen werde, unsere Datenschutzeinstellungen besser zu verstehen“. Außerdem, dass ihre Karten „eine aggregierte und anonymisierte Ansicht von über einer Milliarde Aktivitäten darstellt, die auf unsere Plattform hochgeladen wurden. Es schließt Aktivitäten aus, die als private und benutzerdefinierte Privatzonen markiert wurden.“
Außerdem ist es ja möglich, einen geheimen Korridor von einem Kilometer um die eigenen Startpunkte zu ziehen. Das bedeutet, dass es laut Strava keine Rückschlüsse auf einzelne Personen gibt. Wie schon gesagt, bei Einzelpersonen in Großräumen wie New York oder Berlin mag das privat und anonym genug sein. Wo allerdings die Strava-Nutzung dünn besiedelt ist, wie beispielsweise auf Militärstützpunkten, da bringt auch die Annonymisierung nichts! Was die Heatmap angeht, hat Strava auch schon einige Änderungen bekannt gegeben, wie ihr hier unter Strava Heatmap Updates nachlesen könnt. Und in Bezug auf die Fake Accounts antwortete ein Strava Sprecher auf meine Anfrage: „Strava ist sich des Problems und der Untersuchung bewusst.“ …

Wie geht’s wohl weiter?

Strava wird wohl oder übel noch einiges an den Sicherheitsbestimmungen und der Kommunikation der Privatsphäreeinstellungen machen müssen. Ansonsten werden sich wohl viele überlegen, Strava wieder zu löschen oder ob sie dem Portal überhaupt beitreten wollen. Denn unliebsame Gäste in den eigenen vier Wänden, da hat wohl keiner Lust drauf. Auch durch die sicherheitspolitischen Probleme mit der Heatmap wird es noch einiges an Diskussionen, vor allem auf politischer Ebene, geben.

Strava – nützliche Tipps für eure Sicherheit

Strava ist echt mega nützlich, vor allem weil kaum ein anderes Portal so eine große Kommunikation und so viele Vergleichsmöglichkeiten bietet. Die Bestenlisten sind für ehrgeizige Sportler das Highlight des ganzen Portals. Und vor allem, weil Spitzensportler Strava ebenfalls nutzen, ist es anderen Sportlern möglich, diesselben Rennen zu fahren, diesselben Strecken zu laufen oder zu schwimmen und das immer im direkten Vergleich mit dem Profi. Aber ihr solltet euch vielleicht dreimal überlegen, welche Daten ihr wirklich bei Strava und auch generell im Netz veröffentlicht. Ihr könnt Strava auch ganz auf privat stellen und eure Daten gehen (angeblich) nicht an Dritte weiter. Die meisten machen das aber nicht – klar, der Vergleich in den Bestenlisten wäre weg. Aber vielleicht vergleicht ihr euch einfach mal manuell mit den Profis, diese Profile sind ja (bisher) einsehbar. Also einfach die eigenen Daten privat speichern lassen und dann zu Hause auf dem Sofa auf dem „Konkurrenz-Profil“ nachgucken und „zu Fuß“ vergleichen, ohne das Strava es für euch vergleicht und in die Bestenlisten hochlädt. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, der kann sich erstmal ohne Strava aufs Rad schwingen, vorlaufen oder mit Bus, Bahn und Auto woanders hinfahren, um dann mit nötigem Sicherheitsabstand Strava zu nutzen.

Kanntet ihr Strava schon, nutzt ihr es sogar und wie sind eure Erfahrungen mit dem Portal? Schreibt es mir in die Kommentare, ich bin gespannt!

Euer Prinz