Calisthenics: Alles Wissenswerte über das extreme Bodyweight-Training


Habt ihr's schon durchgezogen?

Habt ihr schon mal was von Calisthenics gehört?! Nein? Aber mit Sicherheit hat jeder von euch schon mal ein Video aus einem Outdoor-Trainingspark in Amerika gesehen, in dem sich durchtrainierte Frauen und Männer mit verschiedenen Übungen an Klimmzugstangen und Barren verausgaben, oder?! Genau das ist Calisthenics. Hier erfahrt ihr alles Wissenswerte über das Eigengewichtstraining, dass mittlerweile zu einem großen Fitnesstrend geworden ist!

Calisthenics – Bedeutung des Begriffs

Calisthenics bedeutet ins Deutsche übersetzt Gymnastik. Doch mit herkömmlicher Gmynastik hat das wenig zu tun. Der Begriff Calisthenics kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet sinngemäß „schöne Kraft“. Synonym wird auch der Begriff Streetworkout verwendet.

Calisthenics – Training mit dem eigenen Körpergewicht

Calisthenics bezeichnet eine Form des körperlichen Trainings in der Öffentlichkeit. Bestimmte Trainingsgeräte oder irgendeine Art von Zubehör werden in der Regeln nicht benötigt. Es wird nur mit dem eigenen Körpergewicht trainiert. Mit Calisthenics erreicht ihr Muskel- und Kraftaufbau durch natürliche Bewegungsabläufe. Es handelt sich um ein Ganzkörperworkout, nahezu ohne isolierte Übungen. Die Bewegungen sind sehr komplex und fördern das Zusammenspiel aller Muskeln. Kein Muskel wird beim Training vernachlässigt. So entstehen keine Dysbalancen. Dadurch, dass ihr nur mit eurem eigenen Körpergewicht trianiert, seid ihr weniger verletzungsanfällig. Bei Calisthenics geht es in erster Linie nicht um die körperliche Ästhetik des Training, sondern darum, den natürlichen Bewegungsablauf zu optimieren. Ziel ist das Erreichen von Kraft, Körperkontrolle und Beweglichkeit. Optische Aspekte und eine athletische Figur sind nur ein positiver Nebeneffekt. Hartes abwechslungsreichesTraining ist immer und überall möglich. Egal bei welchen Temperaturen – es wird an der frischen Luft trainiert.

Zum sportlichen Aspekt des Trainings gesellt sich der soziale Aspekt. Outdoor Trainingsparks sind kostenlos für alle zugänglich. Es gibt niemanden der ausgeschlossen wird, weil er beispielsweise keinen monatlichen Mitgliedsbeitrag zahlen kann. Dadurch trainiert ihr nie alleine, sondern macht immer zusammen mit anderen Sport. Das kann enorm zur Motivation beitragen und hilft euch immer wieder neu an eure Grenzen zu gehen und sie zu überwinden. Schwächere Athleten werden durch das Können der Stärkeren motiviert und gefördert. Ein gemeinsames Training von Menschen mit unterschiedlichen sportlichen Niveaus fördert so auch die Sozialkompetenz.

Die Calisthenics Übungen werden dementsprechend in unterschiedlichen Schwierigkeitsniveaus ausgeführt. Steigerungen der Belastung erreicht ihr dadurch, dass ihr beim Training zum Beispiel den Hebelarm verändert und ihr progressiv trainiert. Ihr steigert euch also beispielsweise von einem „normalen“ Klimmzug zum einarmigen Klimmzug. Die Übungen können durch einfache Variationen im Schwierigkeitsgrad angepasst werden. Jeder kann in seiner Gewichtsklasse und entsprechend seinem Leistungslevel trainieren. So bieten die Übungen bei Calisthenics für jeden die passende Herausforderung.

Um das Training durchzuziehen und immer wieder seine Grenzen zu überwinden ist viel Diziplin notwendig. Zu sich selber hart zu sein und immer wieder neu Disziplin und Motivation aufbringen zu müssen, um selbstgesteckte Ziele zu erreichen kann sich auch auf andere Aspekte des Lebens positiv auswirken. Zudem bietet körperlich anstrengendes Training die Möglichkeit sich abzureagieren, einen Ausgleich zu schaffen und den Alltagsstress für einige Zeit links liegen zu lassen. Jeder Athlet kann bei Calisthenics sein Ding machen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Auch bei Wettkämpfen ist niemand gezwungen bestimmte Übungen zu machen oder mit bestimmten Geräten zu arbeiten. Dadurch kann jeder ganz individuell seinen eigenen Stil entwickeln. Sehr auffällig in der Calisthenics Szene: Alle Athleten besitzen einen unglaublichen Ehrgeiz und Willen sich weiter zu entwickeln.

Calisthenics – Traditionelle Wurzeln im alten Griechenland

Die grundsätzliche Idee des Trainings mit dem eigenen Körpergewicht hat eine lange Vergangeneit. Bereits im alten Griechenland wurde auf diese Weise trainiert. Das klassische Eigengewichtstraining wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts in New York wiederentdeckt und hat seitdem eine große Wandlung genommen. Auf den dort ansässigen Sportparks können Menschen trainieren, ohne dass eine Anmeldung in einem Fitnessstudio nötig ist. Die dortigen Sportparks bestehen meist aus verschiedenen Klimmzugstangen, Barren und Hangelstrecken.

Das klassische Eigengewichtstraining ist mit Übungen aus anderen modernen Sportarten wie Breakdance, Parkour und Turnen kombiniert worden, was nun die moderene Version von Calisthenics darstellt.

Bekannte Vertreter in New York und Deutschland

Zu den einflussreichsten Calisthenics Gruppen gehören die Bar-Barians, Bartendaz und Bar-Starzz. Sie waren die ersten, die die Straßen zu ihrem Trainingsplatz erklärt haben. Die Namen weisen auf die Fitnessgeräte wie Klimmzugstangen hin („bars“ bedeutet auf Deutsch Stangen), an denen sie überwiegend trainieren. Ziel ist, gerade in Problemvierteln, die Kids von den Straßen zu holen. Inzwischen hat sich die Szene zu einer riesigen internationalen Community entwickelt. Andere Menschen sollen animiert werden und über den Gedanken „Das was die können, will ich auch können.“ motiviert werden, mit dem Training anzufangen.

Hannibal for King ist die Streetworkout-Ikone überhaupt. Er inspiriert schon seit Jahren Millionen Menschen, über die ganze Welt verteilt, mit seinen Youtube-Videos.

Dennis Ratano ist der bekannteste Vertreter in Deutschland. Während seiner Zeit in New York ist er mit der Szene in Kontakt gekommen und versucht Calisthenics auch in Deutschland bekannter zu machen. 2013 hat er das erste offizielle Streetworkout Event in Deutschland organisiert. Die World Cup Serie findet auf der ganzen Welt statt. Ein Grund dafür, dass Calisthenics in Deutschland immer noch recht unbekannt ist, sind die nur kaum vorhandenen öffentlichen Trainingsparks, wie es sie in Amerika gibt. Hier gibt es nur Klettergerüste auf Kinderspielplätzen, aber es fehlt an den stabilen Gerüsten und Workout Stangen, an denen ernsthaft Calisthenics Übungen gemacht werden könnten. Dennis Ratano ist auch der Gründer der ersten Streetworkout-Gruppe Deutschlands: Baristi. Auf der FIBO gab es zum wiederholten Male einen Calisthenics-Stand mit zahlreichen internationalen Gästen, der diese Trainingsform bei Fitness-Anhängern bekannter machen sollte.

Street Workout World Cup

2011 fand die erste Weltmeisterschaft in Calisthenics in Riga statt. Ausrichter ist die WSWCF (World Street Workout and Calisthenics Federation). Seitdem findet jedes Jahr eine Weltmeisterschaft statt. Am 24. Oktober findet noch der letzte Vorentscheid in Lyon statt. Das Finale steigt am 5. Dezember 2015 in Moskau. Zur Bewertung bei Wettkämpfen stehen nicht nur die technischen Elemente, sondern auch der Unterhaltungswert für die Zuschauer. Es gibt kaum Regeln, dafür viel Show. Es werden spektakuläre Moves gezeigt, voller Athletik, Kraft und Explosivität. Zur Zeit dominieren Russen und Ukrainer die Szene.

Für wen ist Calisthenics geeignet?

Ob man bereits trainiert ist oder total unsportlich ist, spielt keine Rolle. Jeder kann mitmachen. Ihr startet mit normalen Liegestütz, Klimmzügen und Kniebeugen und versucht euch nach und nach was Kraftniveau und Kreativität der Ausführung der Übungen angeht zu steigern.

Wem immer noch etwas Motivation fehlt, dem hilft vielleicht dieses beeindruckende Transformationsvideo:

Eine Übersicht zu bestehenden Outdoor Trainingsparks findet ihr übrigens hier – vielleicht habt ihr ja Glück und es gibt doch einen in eurer Nähe.

Wenn ihr an Übungen und weiteren Informationen zu Calisthenics interessiert seid, solltet ihr in den nächsten Tagen meine Website im Auge behalten. Hier wird noch der eine oder andere Artikel zu Calisthenics folgen. ;)

Euer Prinz

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