Entwässern: Harmlos oder gesundheitsschädlich?


Wie viel ist noch gesund?

Habt ihr euch schon mal gefragt, wie Bodybuilder und Fitness-Models ihre extrem definierte Form hinbekommen?! Klar, krasses Training und eine knallharte Ernährung. Aber es gibt noch einen Trick: Entwässern. Was es damit auf sich hat, wie (un)gesund das Ganze ist und was es mit Hobbyathleten zu tun hat, erfahrt ihr hier!

Den Körper entwässern – wozu das Ganze?

Ihr kennt es garantiert: An manchen Tagen zeigt euch euer Spiegelbild starke, definierte Muskeln, an anderen seht ihr irgendwie schwammig und undefinierter, vielleicht sogar aufgequollen aus. Grund dafür: Wassereinlagerungen unter der Haut und im Muskel, die vor allem eure Oberarme, Beine und euren Bauch anschwellen lassen und die Muskeln verdecken.
Ursachen dafür sind meistens zu viel Salz bzw. Carbs: Salz bindet das Wasser unter der Haut, im Muskel eingelagerte Kohlenhydrate können bis zu dreimal soviel Wasser binden.
Normalerweise sorgt der Körper auf natürlichem Wege für eine Entwässerung und reguliert seine Flüssigkeitseinlagerungen selbst, aber Fitness-Models oder Wettkampf-Bodybuilder können oder wollen darauf nicht vertrauen – klar, für sie ist es super wichtig, am Tag X in absoluter Top-Form zu sein. Daher helfen sie mit diversen Mitteln und Methoden nach, um ihren Körper zu definieren und shredded auszusehen. Leider übertreiben es viele von ihnen definitiv – und dann ist entwässern kein hilfreicher Bodybuilding-Trick mehr, sondern ein gefährliches Spiel mit der eigenen Gesundheit.
Weiteres Problem: Immer mehr Hobbyathleten eifern ihren Fitness-Idolen nach, um am Strand oder auf Sportmessen wie der FIBO ebenfalls stahlharte Gains präsentieren zu können. Gerade als Amateure nicht ungefährlich!

So funktioniert eine Entwässerungskur

Ganz wichtig, Leute: Ich möchte hier keineswegs das Entwässern allgemein verteufeln, wenn man es richtig und gesund (!) macht, hat es im Bodybuilding durchaus seine Berechtigung. Ist schließlich klar, dass die Athlehten bei wichtigen Shootings oder Wettkämpfen mega definiert aussehen wollen – in ihren Muskeln steckt immerhin jahrelange Arbeit!
Voraussetzung, dass entwässern aber überhaupt etwas bringt, ist ein niedriger Körperfettanteil: Bei Männern weniger als 12, besser 10 Prozent, bei Frauen weniger als 18, besser 15 Prozent. Und: Mindestens 5 bis 7 Tage Zeit bis zum entscheidenden Termin. In Fitnesskreisen wird diese Woche auch Peak Week genannt.
Sofern diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann’s losgehen.
So absurd das auf den ersten Blick wirkt: Trinken ist der Schlüssel zum Entwässern! Und zwar eine Menge – je nach Gewicht 4 bis 9 Liter täglich! Das regt den Stoffwechsel und die Ausscheidung an – wundert euch also nicht, wenn ihr jede halbe Stunde zum Klo müsst. Hintergrund: Der Körper lernt, dass er Wasser nicht unter der Haut bunkern muss, da ja permanent Nachschub kommt.
Am besten greift ihr zu stillem Wasser oder entwässernden Kräutertees wie Löwenzahn- oder Brennesseltee. Alkohol und koffeinhaltige Drinks sind übrigens tabu!

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Auch mit der richtigen Ernährung helft ihr der Entwässerung auf die Sprünge: Lebensmittel mit einem hohen Wasseranteil wie Melone und Gurke oder entwässernder Wirkung wie Spargel, Ananas, Möhren oder Erdbeeren sind perfekt. Bitte aber nicht salzen – Salz würde das Wasser wieder binden. Also stellt euch auf eine fade Woche ein!
Auch ein Reistag zwischendurch kann helfen, denn die typische Low Carb Bodybuilding-Ernährung ist fürs Entwässern nicht die beste Idee: Das in den Muskeln eingelagerte Wasser wollt ihr nämlich nicht verlieren! Denn würdet ihr das tun, sehen die Muskeln „platt“ aus und das Körperfett rückt in den Fokus. Im Umkehrschluss lässt viel Muskelwasser eure Gains schön prall aussehen – und wie ich euch eingangs schon erklärt habe, binden die im Muskel eingelagerten Carbs dort das Wasser. Rund 35 Prozent eurer Ernährung sollten also aus Kohlenhydraten kommen.
Bewegung spielt übrigens in der Peak Week auch eine wichtige Rolle: Einerseits regt ihr den Stoffwechsel an, andererseits schwitzt ihr hier auch wieder Flüssigkeit aus.
Kommen wir zum wichtigsten Teil des Entwässerns: Dem Tag vor dem Tag – denn 24 Stunden vor eurem Wettkampf oder Event schränkt ihr eure Flüssigkeitszufuhr ganz schön hart ein: Je nach Gewicht gibt’s nur noch 200 bis 400 ml in kleinen Schlücken über den Tag verteilt. Das ist verdammt wenig, ich weiß – aber sofern ihr jetzt keinen intensiven Sport mehr macht oder anstrengende geistliche Arbeit verrichtet, geht das – ausnahmsweise! – klar.
Hintergrund: Euer Body hat ja gelernt, dass er kein Wasser unter der Haut zurückhalten muss, schließlich kommt immer Nachschub – heute aber eben nicht. Und so schnell durchschaut er es nicht – Folge: Ein definierter, stahlharter Look! Und zwar für bis zu sieben Tage!

Warum ist das Entwässern im Bodybuidling (häufig) gefährlich?

Klingt soweit nicht besonders angenehm, aber auch nicht lebensbedrohlich, richtig?! Wenn man es bedacht und unter Aufsicht (Trainer, Arzt, etc.) durchführt, ist das auch kein Problem – leider tun einige Fitnessfreaks wirklich alles, um das bestmögliche Erbegnis aus sich herauszuholen.
Und dann wird das Entwässern nicht nur echt anstrengend für euren Körper, sondern auch noch richtig ungesund.
Ich erklär euch kurz, wie es auf die ungesunde Weise funktioniert – aber Leute, lasst die Finger wirklich davon, okay?!
Viele Bodybuilder fangen schon zwei Wochen vor Tag X mit ihrer Peak Week an und fügen eine Entlade-Phase ein: Sie streichen Carbs mehr oder weniger komplett (!) von ihrem Ernährungsplan und ziehen knallharte Cardiosessions durch, um wirklich alle Kohlenhydratspeicher zu leeren. Das ist echt nicht gesund und führt zu Kopfschmerzen, Schwindel, einem Schummrigkeitsgefühl im Kopf, körperlicher Schwäche und das Denken könnt ihr auch vergessen.
Low Carb geht klar, aber NO Carb ist nicht gesund, Freunde!
Zwei Tage vorher legen diejenigen, die auf diesem Wege entwässern, einen reinen Reistag ein, das nennt sich dann Ladephase. Der Körper ist so ausgezerrt von den zwei Wochen und lechzt so sehr nach Carbs, dass er sie sofort einlagert – wer weiß, ob ihr sie ihm nicht wieder tagelang vorenthaltet! Und wo lagert er die Kohlenhydrate ein?! Richtig, in euren Muskeln. Die bekommen dadurch einen richtigen Push und sehen schön prall aus.
Gleichzeitig wird 48 Stunden komplett auf jede Form von Flüssigkeit verzichtet – die Muskeln sind also krass aufgepumpt, gleichzeitig ist keine einzige Wassereinlagerung mehr unter der Haut. Definierter als jetzt kann man nicht aussehen – aber für welchen Preis?! Wie krass ungesund es ist, zwei ganze Tage (!) auf Flüssigkeit zu verzichten, muss ich euch nicht erklären, denke ich!
Viele Fitness-Models und Bodybuilder helfen auch mit entsprechenden Medikamenten nach, um die Entwässerung voran zu treiben und nehmen dafür starke Nebenwirkungen in Kauf.
Und wofür das Ganze?! Für ein, zwei Stunden auf der Bühne stehen oder sich ablichten zu lassen?! Ernsthaft, ich verstehe nicht, wie man so mit seiner Gesundheit spielen kann, aber das muss letztendlich jeder selber entscheiden …

Jetzt wisst ihr Bescheid, wie (un)gesundes Entwässern funktioniert – habt ihr das selber schon mal gemacht oder kennt ihr jemanden? Ich bin gespannt!

Euer Prinz