Insulin: Alles über das lebenswichtige Hormon

Oft wird Insulin als böse verteufelt, dabei hat das körpereigene Hormon sehr wichtige Funktionen, ohne deren Wirken ein Leben nicht möglich wäre. Mehr dazu im Folgenden:

Was ist Insulin?

Insulin ist ein körpereigenes Hormon. Es ist lebenswichtig und wirkt allgemein blutzuckersenkend und wachstumsfördernd für die Muskulatur.
Am bekanntesten ist das Insulin als Stoff, der den Blutzuckerspiegel senkt und mit dem Diabetiker Probleme haben. Das Hormon stimuliert aber auch die Muskeln, damit sie neues Muskeleiweiß bilden – das ist die sogenannte Proteinsynthese. Insulin hemmt aber auch den Abbau von Fett, die Lipolyse, und fördert den Aufbau von Fett, die Lipogenese.

Wo wird Insulin gebildet?

Das Insulin wird in den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, des Pankreas, gebildet. Die Beta-Zellen gehören zu den Inselzellen, die 1869 entdeckt wurden. Die kleinen inselartigen Zellen in der Bauchspeicheldrüse sind hormonbildend und machen etwa ein bis zwei Prozent der Masse der Bauchspeicheldrüse aus. Ungefähr eine Million der 0,2 bis 0,5 Millimeter kleinen Zellansammlungen sitzen bei einem erwachsenen Menschen im Durchschnitt im Pankreas. Die Beta-Zellen sind der größte Anteil der Inselzellen, 65 bis 80 Prozent. Die anderen Zellen sind Alpha-Zellen, Delta-Zellen, PP-Zellen und Ghrelin-Zellen.

Wozu braucht der Körper das Hormon?

Der Mensch nimmt über die Nahrung Kohlenhydrate auf, die über den Magen in den Dünndarm gelangen und da dann in Glukose, also Zucker, umgewandelt werden. Die Glukose gelangt ins Blut. Der Blutzuckerspiegel steigt an. Je einfacher die Kohlenhydrate sind, desto schneller steigt der Spiegel. Die Beta-Zellen messen den Blutzuckerspiegel und reagieren dann mit der Ausschüttung und anschließender Neu-Produktion des Insulins. Das Insulin wirkt dann als eine Art Schlüssel. Die Zellen von beispielsweise den Muskeln haben Rezeptoren, an die sich das Insulin setzt und in dem Fall die Muskelzellen öffnet. Dadurch kann die Glukose in die Zellen gelangen, die Zellen haben genug Energie fürs Wachstum oder andere Prozesse und der Zucker wird aus dem Blut abtransportiert. Der Blutzuckerspiegel sinkt also wieder. Insulin bringt die Glukose vor allem in die Leber-, Muskel- und Fettzellen.

Wie bereits erwähnt, ist Insulin aber auch für die Muskeln wichtig, damit sie neues Muskeleiweiß bilden. Die Proteinsynthese ist für euren Muskelaufbau unumgänglich. Der Abbau von Fett wird durch Insulin verhindert und der Aufbau von Fett gefördert. Heutzutage sind vor allem die letzten beiden Punkte die Auslöser, dass Insulin als böse und Dickmacher bezeichnet wird. Wenn ihr die Entwicklung der Menschen beachtet, sind die beiden Funktionen aber überlebenswichtig. Was in der Gesellschaft bei dem Überangebot an Nahrungsmitteln Menschen immer dicker werden lässt, war früher der Schutz vor dem Verhungern in Zeiten von wenig bis gar keiner Nahrung. Insulin ist nicht der Dickmacher, sondern eine schlechte und unausgewogene Ernährung. Der Körper reagiert mit den Stoffwechselprozessen nur auf das, was er signalisiert bekommt.

Wer hat das Insulin entdeckt?

Schon 1864 wurden Zusammenhänge zwischen Bauchspeicheldrüse und Diabetes, der Zuckerkrankheit, festgestellt. Fünf Jahre später wurden die Inselzellen und ihre Hormonproduktion entdeckt. 1909 wurde erstmals der Name Insulin vorgeschlagen, übersetzt „von den Inseln kommend“. 1921 wurde von Frederick Banting und Charles Best erstmals reines Insulin extrahiert. Sie machten Versuche und gaben Diabetes-Patienten Rinderinsulin, was diese überleben ließ. Banting bekam 1923 den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung des Insulins. Die Forschung und Entwicklungen gehen noch heute immer weiter voran.

Wann braucht der Körper Insulin von außen?

Wenn eine Diabetes-mellitus-Erkrankung vorliegt. Der Typ-1-Diabetiker muss immer Insulin von außen zugeführt bekommen. Die Insulinproduktion ist bei der Form der Erkrankung gar nicht mehr aktiv, da die Beta-Zellen komplett zerstört sind. Typ-1-Patienten würden ohne eine Therapie mit Insulin früh sterben.

Wer Diabetes-Typ-2 hat, der ist nicht zwangsläufig auf eine Insulintherapie angewiesen. Beim Diabetes-Typ-2 wird von den Inselzellen noch Insulin produziert. Es kann passieren, dass die anderen Zellen nicht mehr richtig auf das Hormon reagieren, sich nicht mehr öffnen und der Blutzuckerspiegel nicht gesenkt wird. Die Reaktion des Körpers ist eine erhöhte Ausschüttung von Insulin, was nicht wirken kann. Das ist die sogenannte Insulinresistenz. Als Konsequenz auf die erhöhte Produktion und Ausschüttung von Insulin sind die Inselzellen irgendwann erschöpft und lassen nach. Anfangs kann der Körper eine nachlassende Insulinproduktion noch ausgleichen. Da ist kein künstliches Insulin nötig, Sport und Abnehmen durch eine Ernährungsumstellung haben die beste Wirkung. Sollte es nicht gelingen, dadurch das Insulin in den Griff zu bekommen, dann helfen bei der zunehmenden Insulinresistenz resistenzsenkende Medikamente und bei nachlassender Insulinproduktion blutzuckersenkende Medikamente, die jeweils in Tablettenform eingenommen werden müssen. Sollte das die Insulinresistenz oder den Blutzuckerspiegel auch nicht senken, erst dann ist eine ärztliche Behandlung mit synthetischem Insulin notwendig. Wichtig während der Insulintherapien ist, dass die richtige Dosis an Insulin gespritzt wird, beziehungsweise dem Körper zur Verfügung steht. Ansonsten kann es zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen kommen.

Was passiert bei zu wenig oder zu viel Insulin mit dem Körper?

Sowohl ein Mangel an Insulin als auch ein Überschuss an Insulin führen zu den sogenannten Stoffwechselentgleisungen. Dazu zählen eine schwere Unterzuckerung (Hypoglykämie) und eine schwere Überzuckerung (Hyperglykämie). Die Hypoglykämie kann bis zu einem hypoglykämischen Schock, einem Bewusstseinsverlust aufgrund der Unterzuckerung, führen. Die Hyperglykämie kann sich bis zu einem ketoazidotischen Koma entwickeln. Das ist eine schwere Überzuckerung mit einer Übersäuerung des Körpers und entwickelt sich bei starkem Insulinmangel. Weitere Folgen von zu viel oder zu wenig Insulin können Schäden an Gefäßen und Nerven, Erblindung, Impotenz, Amputationen, Herzinfarkt und Schlaganfall sein.

Weitere Anzeichen findet ihr hier:

Unterzuckerung (Hypoglykämie):

  • Heißhunger
  • Muskelzittern
  • Schweißausbrüche
  • Sehstörungen
  • Verwirrtheit

Überzuckerung (Hyperglykämie):

  • Müdigkeit
  • Häufiges Wasserlassen
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Wie wird das synthetische Insulin produziert?

Bis in die 80er Jahre wurde das Insulin aus den Bauchspeicheldrüsen von Rindern und Schweinen genutzt. Das ähnelt dem menschlichen sehr. Heutzutage wird das Human-Insulin synthetisch hergestellt. Die Herstellung erfolgt auch mit Hilfe von gentechnisch veränderten E. coli Bakterien. Sie helfen dabei, das Insulin zu produzieren. Später wird das Bakterium zerstört, sodass es im Medikament nicht mehr vorhanden ist.

Welche Lebensmittel provozieren eine hohe Insulinausschüttung?

Wie die meisten annehmen würden: Alles, was viele einfache Kohlenhydrate enthält. Was ansich auch stimmt. Aber auch Lebensmittel, die augenscheinlich nicht zu den kohlenhydratreichen Lebensmitteln gehören, lassen den Insulinspiegel ansteigen. So stimuliert die Aminosäure Leucin die Inselzellen, mehr Insulin zu produzieren. Demnach können sogar Whey Protein Shakes eine höhere Insulinausschüttung provozieren als Weißbrot! Und nach neuesten Studien der Universitätsklinik Lübeck reagiert auch nicht jeder Körper gleich stark mit Insulinausschüttung auf ein und dasselbe Lebensmittel. Die Forschung geht auch da weiter.

Welche Ernährung ist „insulinarm“?

Der Insulinspiegel steigt erst, wenn etwas gegessen oder getrunken wird. Die Lipogenese, also der Fettaufbau, ist nur in den Stunden nach einer Mahlzeit erhöht. Wenn nichts verzehrt wird und der Blutzucker abtransportiert ist, dann ist die Lipolyse, also der Fettabbau, höher. Wenn nicht ständig zwischendurch gegessen und insgesamt auf eine gesunde Ernährung geachtet wird, dann ist diese Ernährung (bei gesunden Menschen) so insulinarm, dass eine Erkrankung aufgrund des Insulins eher unwahrscheinlich ist. Insulin macht auch nicht dick, sofern generell eine Balance zwischen Fettauf- und Fettabbau besteht und die Kalorienzufuhr gleich dem Kalorienbedarf entspricht. Außerdem macht auch nie das Insulin direkt dick, sondern die Stoffwechselprozesse, die durch einen permant erhöhten Insulinspiegel angeregt werden, führen zu Fetteinlagerungen.

Hier könnt ihr euren Kalorienbedarf berechnen.

Insulin und Fitness

Warum ist es für eure Fitness überhaupt wichtig, über Insulin Bescheid zu wissen? Zum einen, weil euch zu viel und zu wenig vom Hormon richtig krank machen kann und ihr dadurch auch Probleme mit dem Fettanteil eures Körpers bekommt. Aber zum anderen, weil eure Proteinsynthese in den Muskelzellen durch Insulin in Gang gebracht wird. Und Proteinsynthese bedeutet Muskelwachstum. Außerdem bekommen die Zellen durch das Insulin Glukose als Energielieferant und ihr habt mehr Kraft am Eisen und beim Sport!

Leider wird Insulin auch als Dopingmittel missbraucht. Es unterstützt die Wirkung von Anabolika, Testosteron und Wachstumshormonen, was in der Bodybuilding-Szene beliebt ist. Und durch die schnellere Aufnahme von Kohlenhydraten und die beschleunigte Bildung des Glykogen-Speichers in den Muskel- und Leberzellen ist Insulin auch ein beliebtes Dopingmittel im Ausdauertraining. Wer das Hormon missbraucht, kann durch Insulin auch Einfluss auf den Eiweiß-Stoffwechsel nehmen. Doping ist immer leichtsinnig. Durch das Doping mit Insulin riskiert der Sportler eine schwere Unterzuckerung, die im Koma enden kann!

Das Fazit über Insulin

Das Hormon Insulin ist der Schlüssel für Glukose, um in die Zellen zu gelangen. Dadurch senkt sich der Blutzuckerspiegel und die Zellen haben genug Energie. Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und fördert die Proteinsynthese und somit den Muskelaufbau, es fördert die Lipogenese und hemmt die Lipolyse. Oft wird Insulin als Dickmacher bezeichnet, was allerdings ein Irrglaube ist. Schlechte, unausgewogene Ernährung und zu wenig Bewegung führen nach wie vor zu Übergewicht, daran ist kein Hormon Schuld. Ohne Insulin würden die oben genannten Prozesse nicht funktinieren, es ist also lebenswichtig. Sollte die Produktion des Insulins oder die Wirkung des Insulins nicht mehr richtig funktionieren, kommt es zu einem stark erhöhten Blutzuckerspiegel, einer Insulinresistenz, zum kompletten Erliegen der Insulinproduktion und jeglichen Begleit- und Folgeerscheinungen. Sollten Probleme mit dem Blutzuckerspiegel oder der Insulinproduktion oder -wirkung vorliegen, bitte sprecht auf jeden Fall mit einem Arzt darüber!